Der Arzt
und die Atombombe von Nagasaki

Die unglaubliche Geschichte des Takashi Nagai

Update 2007: Am 1. November 2007 starb im Alter von 92 Jahren in Ohio der Pilot Paul Tibbets, der die Atombombe auf Hiroshima abwarf
Tibbets, Sweeney wie auch US-Präsident Truman, der die politische Verantwortung für den Atombombenabwurf trug, haben bis zuletzt ihre Tat gerechtfertigt. Wie die Website kath-info berichtet, hatte die englische Philosophin Elisabeth Anscombe 1956 gegen die Verleihung der Oxforder Ehrendoktorwürde an Truman protestiert und die Rechtfertigungsgründe aufs Korn genommen.

 

Update 2004: Am 15. Juli 2004 ist der Atombombenpilot von Nagasaki, Charles Sweeney, in Boston im Alter von 84 Jahren gestoben. Sweeney lenkte den B-29-Bomber, der die Bombe am 9. August 1945 über der japanischen Stadt abwarf.

 

Am 9. August 1945, um elf Uhr und zwei Minuten, drei Tage nach Hiroshima, explodiert in Nagasaki die Atombombe. Mit einem Schlag werden zehntausende Menschenleben ausgelöscht und noch mehr Menschen verletzt. Unter ihnen, nur wenige hundert Meter vom Explosionszentrum entfernt, befindet sich der Arzt und Radiologe Takashi Nagai. Er verliert seine Frau und zahlreiche Freunde, während er selber wunderbarerweise überlebt und seine schwindenden Kräfte den Verletzten widmet. Seine Hilfsbereitschaft trägt ihm Ehrungen vom Papst und vom japanischen Kaiser ein. Welches war die Quelle seiner Kraft, mit der er die traumatischen Erlebnisse verarbeitete?

Takashi Nagai wurde 1908 in Isumo in der Nähe von Hiroshima geboren; seine Familie war schintoistischen Glaubens und hatte fünf Kinder. 1928 schrieb er sich an der medizinischen Fakultät von Nagasaki ein. "Schon an der Oberschule war ich ein Gefangener des Materialismus geworden. Kaum an der medizinischen Fakultät, ließ man mich Leichen sezieren... Die wundervolle Struktur des ganzen Körpers, die minutiöse Organisation seiner kleinsten Teile, all das erregte meine Bewunderung. Doch was ich da so in den Händen hatte, war für mich nie etwas anderes als pure Materie gewesen. Die Seele? Ein von Schwindlern erfundenes Gespenst, um die einfachen Leute zu täuschen."

Der letzte Blick einer Mutter

Eines Tages im Jahre 1930 erhielt er ein Telegramm von seinem Vater: "Komm nach Hause!" Er brach in aller Eile auf, da er ein Unglück witterte. Bei seiner Ankunft erfuhr er, dass seine Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte und nicht mehr sprechen konnte. Er setzte sich zu ihr und las in ihrem Blick ein letztes "Auf Wiedersehen." Diese Todeserfahrung veränderte sein künftiges Leben: "Durch diesen letzten durchdringenden Blick zerschmetterte meine Mutter den ideologischen Rahmen, den ich errichtet hatte. Diese Frau, die mich auf die Welt gebracht und großgezogen hatte, diese Frau, die in ihrer Liebe zu mir nie auch nur einen Augenblick schwankend geworden war, sprach in den letzten Momenten ihres Lebens sehr klar zu mir. Ihr Blick sagte mir, dass der menschliche Geist nach dem Tode weiterlebt. All das kam wie eine Eingebung, eine Eingebung, die nach Wahrheit schmeckte."

Takashi begann damals die "Pensées" (Gedanken) von Pascal, einem französischen Dichter und Wissenschaftler des 17. Jahrhunderts, zu lesen. "Die Seele, die Ewigkeit, Gott... Unser großer Vorgänger, der Physiker Pascal, hatte also ernstlich daran geglaubt!", sagte er sich. "Was war denn dieser katholische Glaube, dass der Gelehrte Pascal ihn akzeptieren konnte, ohne der Wissenschaft zu widersprechen?" Pascal erklärt, dass wir Gott durch den Glauben und im Gebet begegnen. "Selbst wenn Sie noch nicht glauben können", sagt er, "sollten Sie weder das Gebet noch den Besuch der Messe vernachlässigen". S "Ich bin immer bereit, eine Hypothese im Laboratorium zu überprüfen", dachte Nagai. "Warum sollte ich jenes Gebet nicht versuchen, auf das Pascal so pocht?" Er beschloss, eine katholische Familie zu suchen, die ihn während seines Studiums als Untermieter aufnehmen möchte. Das gäbe ihm Gelegenheit, den Katholizismus und das christliche Gebet kennen zu lernen.

Er fand bei der Familie Moriyama Aufnahme. Herr Moriyama, ein Viehhändler, stammte aus einer jener alten christlichen Dynastien, die trotz der 250 Jahre währenden Verfolgung den vom heiligen Franz Xaver nach Japan gebrachten Glauben bewahrt hatten. Die Reinheit des christlichen Glaubens versetzte den jungen Nagai in Erstaunen: Bescheidene Bauern brachten ihm durch ihr Vorbild das bei, was Pascal, der große Wissenschaftler, geglaubt hatte!

Im März 1932 ließ ihn eine schwere Ohrenentzündung am rechten Ohr ertauben und warf dadurch auch seine Zukunftspläne durcheinander: Da er sich des Stethoskops nicht mehr bedienen konnte, musste er auf die gewöhnliche Medizin verzichten. So wandte er sich dem Studium der Radiologie zu, die damals in Japan noch in den Anfängen steckte. Er war sich der enormen Möglichkeiten bewusst, die diese Wissenschaft den Ärzten an die Hand gab, um Krankheiten aufzuspüren.

Herr und Frau Moriyama hatten eine Tochter, Midori, die in einer anderen Stadt als Lehrerin arbeitete. Alle drei beteten für die Bekehrung von Takashi, da sie dachten, dass Gott ihn vielleicht zu diesem Zweck zu ihnen gesandt hatte. Am 25. Dezember 1932 war Midori bei ihren Eltern, um Weihnachten zu feiern. "Doktor", fragte Herr Moriyama Takashi, "warum kommen Sie nicht mit uns zur Mitternachtsmette?" S "Aber ich bin doch kein Christ!" S "Das macht nichts, die Hirten und die Heiligen Drei Könige, die in den Stall kamen, waren es auch nicht. Doch als sie das Kind sahen, glaubten sie. Sie werden niemals glauben, wenn Sie nicht zum Beten in die Kirche kommen." Nach kurzer Zeit war Nagai selbst überrascht, als er antwortete: "Ja, ich möchte Sie heute Abend begleiten." 5000 Christen drängten sich in der Kathedrale, und alle sangen dasselbe lateinische Credo. Nagai war stark beeindruckt und in seinen Überlegungen über den katholischen Glauben ermutigt, doch er ließ sich nicht überzeugen.

Fortsetzung: Die Wende: Blaise Pascal "Pensées"


   


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